Radeln macht fit – E-Biken aber auch!

Laut einer neuen Studie hat das Radeln mit Elektroantrieb vergleichbare Gesundheitseffekte – und zwar bereits nach vierwöchigem Training. Ein Interview mit Sportmediziner und Studienleiter Professor Arno Schmidt-Trucksäss von der Universität Basel über dieses überraschende Ergebnis.

Kategorie

Aktuelles

Datum

Juni 2019

Landwirt sitzt neben Longtail auf Stein und guckt
Landwirt sitzt neben Longtail auf Stein und guckt

Herr Schmidt-Trucksäss: Es ist bekannt, dass Radfahren fit macht. Wie sieht es mit den Gesundheitseffekten beim E-Biken aus?

Das regelmäßige Training mit dem E-Bike hat einen vergleichbaren Nutzen für die Gesundheit und die Fitness. Bereits nach vier Wochen haben wir eine Verbesserung der Ausdauerleistungsfähigkeit festgestellt. Insbesondere untrainierte und übergewichtige Fahrer:innen profitieren vom Biken mit Antrieb. Das hat uns überrascht, weil wir angenommen haben, dass E-Bike-Fahrer:innen zwar schnell am Ziel ankommen wollen, sich aber ansonsten schonen. Aber das war nicht der Fall. Die E-Biker:innen sind sogar Umwege gefahren und haben mehr Höhenmeter absolviert. Das gibt uns den Hinweis, dass das E-Bike die Motivation steigert. Wer regelmäßig mit dem E-Bike trainiert, profitiert vermutlich dauerhaft und zwar nicht nur im Hinblick auf die Fitness, sondern auch auf andere Faktoren wie Bluthochdruck, Fettstoffwechsel und Psyche.

Wer hat bei Ihrer Studie mitgemacht und wie lief sie ab?

Grundlage unserer Studie war die Aktion „Bike to work“, die seit zehn Jahren schweizweit durchgeführt wird. Sie lädt Berufspendler:innen ein, einen Monat lang aufs Velo oder E-Bike umzusatteln und zur Arbeit zu radeln. Knapp 65000 Angestellte haben 2018 mitgemacht. 30 von ihnen nahmen an unserer Studie teil. Die Hälfte der Probanden fuhr mit dem herkömmlichen Rad, die andere mit dem E-Bike, alle an wenigstens drei Tagen die Woche sowie mindestens sechs Kilometer einfacher Weg zur Arbeit.

Haben Sie Vorgaben bezüglich Geschwindigkeit oder Intensität des Trainings gemacht?

Nein. Aber wir haben festgestellt, dass beide Gruppen mit einer Intensität von etwa 70 bis 75 Prozent der maximalen Herzfrequenz geradelt sind. Wir vermuten, dass dieser Wohlfühlbereich grundsätzlich nicht wesentlich über-, aber auch nicht unterschritten wird. Die E-Bike-Fahrenden haben sich also genauso angestrengt wie die anderen Radler:innen. Das heißt: Der physiologische Reiz war für beide Gruppen vergleichbar und somit auch der Zuwachs an Fitness.

Aus sportmedizinischer und sportwissenschaftlicher Sicht kann ich Diensträder nur befürworten. Man schlägt viele Fliegen mit einer Klappe: Die Angestellten tun etwas für ihre Gesundheit, kommen entspannter an und schützen die Umwelt.
Prof. Arno Schmidt-Trucksäss
Sportmediziner und Professor, Universität Basel
Foto_Schmidt-Trucksäss_2-2014 sl

Hat regelmäßiges Radeln oder E-Biken noch weitere positive Auswirkungen auf den Körper?

Ja! Sowohl E-Bike-Fahrende als auch die Bio-Biker:innen haben an Gewicht verloren, nicht signifikant, aber immerhin. Wir nehmen an, dass viele noch weiter abgenommen hätten, wenn das Programm länger gedauert hätte. Außerdem haben wir festgestellt, dass das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, bei regelmäßigem Training sinken würde – und zwar um beachtliche 15 Prozent, wenn man die Steigerung der Fitness als Schutzfaktor gegen das Versterben in Risikominderung umrechnet. Das ist doch ein echtes Plädoyer, die Steigerung der Fitness dauerhaft beizubehalten!

Wie viele Kilometer pro Woche sollte man radeln oder e-biken, um fit zu bleiben oder zu werden?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, etwa 150 Minuten Training bei moderater Intensität in der Woche. Die Teilnehmenden unserer Studie haben die WHO-Vorgabe mehr als erfüllt.

Dann wäre es also sinnvoll, wenn Unternehmen ihre Angestellten darin unterstützten, aufs Rad zu steigen? Zum Beispiel, indem sie ihnen ein Dienstrad zur Verfügung stellten?

Ja! Wir sind große Befürworter der aktiven Mobilität zum Arbeitsplatz. Aus sportmedizinischer und sportwissenschaftlicher Sicht kann ich Diensträder nur befürworten. Man schlägt viele Fliegen mit einer Klappe: Die Angestellten tun etwas für ihre Gesundheit, kommen entspannter an und schützen die Umwelt. Wer mit dem E-Bike pendelt, hat noch den Vorteil, dass er auf dem Weg zur Arbeit schonender fahren kann, so dass er nicht so verschwitzt ankommt. Auf dem Rückweg kann man dann Gas geben.

Pendeln Sie eigentlich auch mit dem Rad zur Arbeit?

Ja, aber mit einem herkömmlichen Velo. Wenn ich einen längeren Arbeitsweg hätte, würde ich vermutlich ein E-Bike fahren. Da ticke ich wie die meisten: Man hat festgestellt, dass Menschen bereit sind, etwa sechs bis 10 Kilometer zu ihrer Arbeitsstätte mit eigener Muskelkraft zu radeln. Wer einen weiteren Weg hat, nimmt dann eher das Auto oder öffentliche Verkehrsmittel. Und hier kommt das E-Bike ins Spiel: Es verdoppelt die tolerierte Distanz  – deshalb werden mit dem Pedelec viel weitere Wege mit aktivem Commuting zurückgelegt.

Die Studie

Christoph Höchsmann, Steffen Meister, Damiana Gehring, Elisa Gordon, Yanlei Li, Monique Nussbaumer, Anja Rossmeissl, Juliana Schäfer, Henner Hanssen, Arno Schmidt-Trucksäss: Effect of E-Bike Versus Bike Commuting on Cardiorespiratory Fitness in Overweight Adults: A 4-Week Randomized Pilot Study. Clinical Journal of Sport Medicine (2018) May;28(3):255-265, doi: 10.1097

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